Umbau Märklin Pendolino BR 610
Schon lange faszinieren mich Neigetechnikzüge. Und Ebay ist gefährlich! So kam es, dass mir im Januar ein Märklin Pendolino Baureihe 610 im Bastelzustand zulief. Im Innern waren die Kabel kräftig verschmort (da muss mal viiiiel Strom über die Wagenverdrahtung geflossen sein), und der Zug fuhr nur in eine Richtung. Na dann mal los, das lässt sich doch bestimmt richten!
Die Kabel waren noch das Geringste: Einmal durchtauschen, bitte. Bevor ich es fertig hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt, die feste Kuppelstange mal durch Standardkupplungen zu ersetzen und etwas zu fahren. Also einmal Zugbildungsquatsch, bitte:

Die zweite Baustelle war der Decoder. Ich wollte versuchen, den Original Delta zu reparieren, da er doch ganz gute Fahreigenschaften ergibt. Nach längerem Überlegen vermutete ich einen der beiden Endstufentransistoren als Übeltäter. Also wurde der ausgetauscht - das Ersatzteil gibt's im Internet für nen schmalen Taler. Vor allem, wenn man herausfindet, dass man die teuer erhältlichen FZT 605 mit den deutlich günstigeren BSP 52 ersetzen kann.

Und siehe da - der Zug fuhr wieder in beide Richtungen! Reparatur fertig. :-)
Wer denkt - das war jetzt zu leicht - richtig! Im März landete dann ein zweiter 610 von mir, wieder im Bastelzustand. Diesmal war der Drehzapfen eines Drehgestells abgebrochen.
Also erstmal zerlegen und inspizieren - das sieht böse aus: der Vorbesitzer hatte offenbar versucht, mit der Lötspitze etwas zu richten. Dabei hatte er gleich noch die Deichsel mit dem Drehgestell verschmolzen:

Man muss übrigens ziemlich aufpassen, diese "Platten", die die Radschleifer tragen, sind bei den mintgrünen Modellen spröde wie Glas.
Lösung: Anstelle der Schleiferschraube wurde eine lange Schraube mit Hülse eingesetzt, und am Ende Muttern drauf. Dabei muss man darauf achten, genug Spiel zu lassen, da das Drehgestell sich ja neigt:

Et voilà, der zweite Zug fährt wieder.
Nun brauchte es eine Kupplung. Original liegen den Triebwagen Adapter für einen Normschacht bei, diese waren bei meinen gebrauchten Modellen wohl zwischenzeitlich "verloren gegangen". Man kann die Teile bei Fleischmann noch erhalten (das Modell war eine Fleischmann-Konstruktion, die für die Dreileiterwelt von Märklin adaptiert wurde), aber das wäre mir zu teuer. Also wieder basteln!

Ein Normschacht, dann noch eine Märklin-Kurzkupplung (die passte am besten ohne an den Schürzen anzuecken), welche für bessere Stromversorgung der VTs noch eine leitende Zunge bekommen hat (vorne mit dem Skalpell einen feinen Schlitz reindrücken, 0,1mm-Messingblech durchstecken und biegen). Und los geht die Fahrt!


Zugbegegnung im Flügelzugbetrieb:

Und ... er neigt sich!

Ich habe viel Freude an dem Fahrzeug. Die Bastelei hat sich gelohnt und mir wieder gezeigt, dass es viel spannender ist, Bastlerware aufzuarbeiten, als einfach auszupacken und aufs Gleis zu stellen.
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